23 Februar 2007

Wie waers mit nem Fahrrad?

Glueck mit Autos hat er ja net wirklich der Bub, wobei ich sagen wuerd, das tausende von Dollar in einen alten rostigen Alfa reinstecken nicht Unglueck sondern Dummheit ist. Man kann mit dem von John so heisgeliebten Alfa fahren, wenn man den Entschluss gefasst hat sich mit Autoabgasen das Leben zu nehmen, ansonsten ein eher nicht so angenehmes Erlebnis fuer Fahrer und Mitfahrer. Gluecklicherweise hat einem ja der liebe grosse Bruder, der wieder nach London geflogen ist, den 3er BMW zum Verkauf anvertraut. Komischerweise hat John es bis heut, ein dreiviertel Jahr spaeter, nicht geschafft das gute Stueck loszuwerden.... Ich mein es hat ja schon sein gutes, zumindest vom gesundheitlichen Aspekt des „frische Luft atmens“ her betrachtet – aber es ist ja ein BMW und die sind ja bekanntlich nicht unbedingt die langsamsten Autos wie wir alle wissen.... Somit kann die Lungen sich erholen, das Herz hat dafuer um so mehr zu leiden, wenn wir mit quietschendne Reifen um Kurven schiessen, mit 160 km/h auf die 200 m entfernte Autobahnausfahrt zu rasen oder uns zwischen Autos, zwischen denen kein Radfahrer fahren wuerde, durchdruecken.

Das Selbstmord-durch-Autoabgase-Auto wird nun komplett neu restauriert was bedeutet zum wiederholten Male tausende von Dollars dem hocherfreuten Herrn Automechaniker in die Hand zu druecken um ein 86ger Baujahr –Verzeihung – Schrottauto, bis zur naechsten Reparatur in ein paar Wochen, befahrbar zu machen. Mein Rat an dieser Stelle, auch wenn ich von sicheren Quellen weis, dass meine Ratschlaege zum Thema Autowahl nicht gern gehoert werden – Auto weg und ein angemesseneres Auto (ich kann dich aufschreien hoeren, du mit dem blauen VW) her. Wie gesagt, das hat ja noch nix mit Unglueck zu tun, dass nur zum Thema „wie dumm sich Leute im Bezug auf ihre geliebten Autos verhalten“.

Wir haben nun deutsche Qualitaet unterm Hintern sollt man meinen, nichts desto trotz sind wir wochenlang im Dunkeln ohne Licht in der Gegend rumgefahren. Ein Glueckspiel bei jeder Autofahrt ob die Scheinwerfer gehen, die ganze Zeit nicht oder nur die ersten paar Minuten nicht. Lustigerweise oder soll ich sagen erschreckenderweise, hat sich die ganze Zeit ueber nie auch nur ein einziges Auto oder Fussgaenger mit Aufblenden, Handzeichen oder sonstigen "He du Depp mach dein Licht an, es ist dunkel“ Zeichen bemerkbar gemacht.

Dafuer hatte ich verschiedene Erklaerungen anzubieten:

  1. Keiner hat uns im Dunkeln jemals vorbeirasen sehen und wir hatten nur immer unglaubliches Glueck das nie ein Fussgaenger auf der Motorhaube gelandet oder Autos an roten Ampeln in uns gerast sind. Jaaaa, ich geb ja zu, dass das eher unwahrscheinlich ist.
  2. Neuseelaender im Strassenverkehr kuemmern sich nen Scheiss um den Strassenverkehr
  3. Die bekackte Stadt ist selbst nachts so stark beleuchtet, dass es nicht kuemmert ob man die Scheinwerfer an hat oder nicht
  4. Ach was weis denn ich

Das Lichtproblem hatte dann logischerweise zur Folge, dass nun auch dieses Auto zum, mittlerweile noch mehr grinsenden Herrn Automechaniker musste.

Auto Nummer 3 war nun ein kleines silbernes Reisschuessel-Mietauto, das der nette grinsende Herr Automechaniker seinem besten Kunden ueberlassen hat, waehrend beide Autos nun wieder fahrtuechtig gemacht werden. Um dann dem Auto mal ne Verschnaufpause von Johns misshandelnder Fahrweise zu geben wollte die kleine Eva mal ne Runde drehen. Irgendwie bin ich nicht weiter als bis ‚Schluessel ins Schloss und drehen’ gekommen, denn dann hatte ich eine Haelfte des Schluessels in der Hand, waehrend die andere im Schloss stecken blieb – na dann nehmen wir eben den Bus. Alles war wieder gut, Schluesselhaelfte aus dem Schloss, neuer Schluessel da. Ungluecklicherweise konnten wir am naechsten Tag das Auto schon wieder nicht benutzen da sich irgendjemand gedacht hat, dass es ne gute Idee ist einen Briefkasten in die Windschutzscheibe zu werfen – na dann nehmen wir eben den Bus. Gluecklicherweise war es ja nur ein Leihauto, ungluecklicherweise ohne Windschutzscheiben-Versicherung und somit ein teurer Scherz.

Der BMW ist repariert und bereit zum Verkauf. Alles wieder ganz, wir koennen wieder rasen, Reifen quietschen lassen und muessen nicht mehr den Bus nehmen um Freunde zu besuchen. Es ist dann nur ein bisschen unguenstig wenn man vor deren Haus aus dem Auto aussteigen will, die Tuer aufmacht und den Beton-Laster uebersieht der da von hinten angeschossen kommt. Das alles hat zur Folge, dass wenn der Laster zu nah am Auto vorbei rast die geoeffnete Autotuer dann nicht mehr da ist wo sie eigentlich hingehoert und das grinsen des netten Herrn Automechanikers noch ein Stueckchen breiter wird.

Tja aber nun haben wir ja Nicole und mein gutes altes "Toy" - den 93' Baujahr rostigen blauen Toyoto - ABER der faehrt und faehrt und faehrt und faehrt....

Das ist uebrigens keine erfundene Geschichte. All das ist in einem Zeitraum von ca 3 Wochen passiert und von all dem Reparaturgeld haette er sich wahlweise a) ein oberschickes tolles Fahrrad kaufen koennen b) ein tolles neues Auto c) nen richtig schoenen Urlaub machen koennen. Nur dann haette der Herr Automechaniker nicht so viel zu grinsen gehabt...

14 Februar 2007

Ein ganz normaler Arbeitstag

Kleine Anmerkung: Leider leider hab ich ja nun am 09.02. bei der Bank aufgehoert - wegen dem Visum... Wer weis was kommt.

Die ASB Bank hat fuer ihre Abteilung “Technology Operations” Ende Oktober ja dringend einen neuen Mitarbeiter gesucht, da die 13 Mitarbeiter und 2 Chefs hier mit Tetris spielen ueberfordert sind. Da kam dann ich ins Spiel um diese armen gestressten Damen und Herren zu unterstuetzen.

Gegen 8.30 zum arbeiten anfangen, besser gesagt ich komme um 8.30 ins Buero um mir dann erstmal nen Kaffee zu machen und ne halbe Stunde Zeitung zu lesen – gut informiert den Tag beginnen, gell. Zurueck am Schreibtisch schau ich mir die zahllosen, fuer mich komplett unwichtigen Emails mit denen ich zugemuellt werde an und beginne danach mal meinen unglaublich riesigen Arbeits-Erledigungs-Berg abzuarbeiten. Eine Stunde spaeter, so gegen 10.30 fertig mit der Arbeit, geh ich also nochmal nen Kaffee trinken und den Rest der Zeitung lesen, wir wollen ja auch mitreden koennen beim Bueroklatsch. Bis ich mich dann durch Buerotratsch der 13 Kollegen zu meinem Platz durchgeschlagen habe ist es auch schon Mittag. Da ich ja noch soooo viel Arbeit auf meinem Platz liegen habe mach ich statt 30 min erstmal 2 Std Pause und setz mich in die Sonne, man muss sich ja auch entspannen um wieder voller Tatendrang an die Arbeit zu gehen. Um 2 Uhr zurueck am Schreibtisch muss ich entdecken, dass schon wieder unzaehlige nutzlose Emails.... nein, halt! Alex hat mir Spiele geschickt. Aehm, ab und zu auch ziemlich wichtige Emails in meinem Posteingang sind. Fleisig wie ich bin fange ich aber erst mal die Arbeit an die der Chef mir auf den Tisch gelegt hat, teste eine halbe Stunde spaeter aber die Spiele, denn die 2stuendige Arbeit soll mich schliesslich die naechsten 3 Tage beschaeftigen. Oje da kommt der Boss und sieht mich spielen, schimpft mich – aber nur weil ich ihm das nicht umgehend mitgeteilt und die Spiele an ihn weitergeleitet habe. Ein kurzer Blick auf die Uhr und es ist schon 4, Zeit den Feierabend einzuleiten – die Zeit vergeht aber auch wie im Flug und man kommt einfach zu nix hier.

Da mein Arbeitstag ja weitaus weniger stressvoll und nervenaufreibend ist sieht man an meinem armen ueberarbeiteten Boss. Wenn dieser gegen 10 Uhr mal im Buero auftaucht, seinen Anrufbeantworter mit 5 Nachrichten seiner Frau abhoert und die 200 Emails mit Witzen, Videos und Spielen sieht ist sein Tag schon wieder gelaufen und er muss erstmal ne Stunde zum Kaffeetrinken und Zeitunglesen gehen. Zurueck im Buero darf ich Multitasking der Extraklasse beobachten wenn er mit seiner Frau am Telefon ueber das Abendessen diskutiert, Tetris spielt und gleichzeitig versucht seinen Kaffee zu trinken. Das bringt mich einmal mehr zur Ueberzeugung, dass Chef sein einfach mit zuviel Verantwortung und Stress verbunden ist, also nix fuer mich. Bevor er dann zur nur 1stuendigen Mittagspause eilt kann er grad noch ein kurzes Schwaetzchen mit Boss Nr 2 ueber das Footballspiel gestern im Fernsehen einlegen. Die Zeit vergeht aber auch wie im Flug und man kommt einfach zu nix hier – ich sag’s ja! Schon wieder halbe Tag vorbei, also schnell mit dem Geschaeftswagen zum Supermarkt und die Einkaeufe fuer zu Hause erledigen. 1.5 Stunden spaeter noch kurz ein dringendes „geschaeftliches“ Telefonat um den Kollegen wissen zu lassen wie toll doch die Kinder sind und was sie nicht alles tolles machen. Da um 4 Uhr ein Meeting im 5 min entfernten Hauptgebaeude stattfindet lohnt es sich natuerlich nicht mehr sich in komplizierte „Freitag um 12.30 Uhr gibts einen fluessigen Lunch in der Bar“ Email einzulesen und dann noch eine Entscheidung zu treffen. Also lieber nochmal nen Kaffee und der Rat zur Assistentin (das waer dann ich): Geh frueher heim bei dem schoenen Wetter und schreib 8 Std auf – die zahlen das schon.

Man kann diesen unglaublichen Arbeitseifer auch auf andere Arbeitsbereiche uebertragen. Ich haett da noch ne Geschichte von meinem ehemaligen Mitbewohner Troy, der auf dem Bau arbeitet. Als die Truppe mal in der Nahe der Zugstrecke arbeitete gab es einen Kerl, dessen hoechst wichtige Aufgabe es war unter einem ueberdachten Plaetzchen zu sitzen und 10 Std am Tag zu gucken ob ein Zug kommt um dann die anderen Arbeiter zu informieren. Er hat da also gesessen und den ganzen Tag Loecher in die Luft geguckt – Neuseelands Zugsystem kann man jetzt nicht ganz so mit dem unsrigen vergleichen da es nur eine Zugstrecke von Auckland nach Wellington gibt und der Zug 2 mal am Tag faehrt....

Da wundert sich noch jemand warum die Arbeitslosenzahlen in Neuseeland so niedrig sind?